editorial

Ein Jahr geht zu Ende, ein neues beginnt. Man blickt zurück und erwartet die Ereignisse des neuen Jahres. Aber treiben wir das Spiel einmal über die Jahres-Grenzen hinaus. 1984 habe ich meinen ersten Computer bekommen (übrigens einen ZX Spectrum) und heute habe ich ein Mobiltelefon in der Tasche, das den Rechner um Potenzen in jeder Leistung in die Tasche steckt. Wohin führt uns dies?

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1. Rückblick

In meinem Informatik-Studium Anfang der 90er habe ich noch jede Mitschrift mit der Hand geschrieben. Heute überlegen die Studenten, welches der vielen Programme sie dafür verwenden. Vor zehn Jahren waren wir noch stolz, mit unseren Handys telefonieren zu können und erreichbar zu sein. Heute wird mit dem Mobiltelefon hauptsächlich nicht mehr telefoniert und wir überlegen uns Strategien, wie wir nicht mehr erreichbar sind. Vor 20 oder 30 Jahren haben wir noch nach der Information gesucht. Heute filtern wir aus der Informationsflut das wesentliche heraus, da wir sonst dieser nicht mehr Herr werden würden. Haben wir im letzten Jahrhundert noch in den Tag hinein gelebt, so versuchen wir heute, die Abläufe zu kontrollieren und uns abzusichern. Und das obwohl die Möglichkeiten heute schier grenzenlos zu sein scheinen – jedenfalls im Gegensatz zu damals. Sind wir an einem Punkt angekommen, wo wir das Leben, das wir uns gestaltet haben, nicht mehr leben können.

Den ein oder anderen von Ihnen hat das jetzt getroffen oder zum Nachdenken angeregt, aber jetzt kommts: Können Sie sich vorstellen, was in 30 Jahren sein wird?

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2. Ausblick

Konflikte werden nicht mehr mit Waffengewalt oder Terroranschlägen ausgefochten, sondern die IT-Defence-Ministerien und die sozialen Netze verlangen nach Siegern, die sie nie erringen werden. Es wird egal sein, von welchem Ort aus wir unserer Arbeit nachgehen, denn derjenige, der noch in die Arbeit geht, wird entweder nicht mehr dort ankommen oder der Transport ist teurer als der Lohn, den er in dem Tag erarbeiten kann. Die Steuergesetze sind wesentlich einfacher geworden, weil die Steuerschlupflöcher zu schnell bekannt werden und daher zu kostspielig werden. Informationsverarbeitung wird schon in der Grundschule Hauptfach sein. Die Menschen werden nicht mehr so viel besitzen, da sie sich mit den Naturkatastrophen bedingt durch den Klimawandel arrangieren müssen. Der klassische Wald- und Wiesenjäger wird in Zukunft auch in der Stadt arbeiten und die beobachteten Tierverhalten fließen in den Wetterbericht und Naturkatastrophen-Warnbericht ein. Die kleinen privaten und kommunalen Energie-Erzeuger haben über den großen Konzernen triumphiert. Die Produktion vieler Produkte ist noch mehr in die rohstoffreiche dritte Welt verlagert worden, damit Transportkosten gespart werden. Die Industrieländer werden erkannt haben, dass sie nur noch als Wissensschmiede mit einem viel intensiverem Bildungssystem als heute überlebt haben. Die Service-Bereitschaft im Dienstleistungssektor wird schon früher viel offener sein. Die Menschen werden fast so viel für alternative Medizin aus eigener Tasche bezahlen, wie sie für ihre Gesundheits-Versicherung mit den klassischen Heilverfahren ausgeben. Man wird erkannt haben, dass Patente eine große Hemmschwelle für tatsächlichen Fortschritt sind, aber man wird noch keine Lösung für dieses Problem gefunden haben. Wir sind mehr dazu bereit, an unseren zwischenmenschlichen Beziehungen zu arbeiten, als sie aufzugeben. Unsere engen Verwandten und Freunde werden mehr zu unserem zuhause, als die eigenen vier Wände, und es wird egal sein, wie wir den Kontakt zu diesen Menschen aufrecht erhalten.

Wie oft haben Sie in den letzten 24 Stunden Ihr Smart-Phone schon benutzt (nicht nur zum Telefonieren)? Glauben Sie dass es jemals wieder eine Zeit geben wird, wo sie es weniger oft benutzen werden?

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