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Das Auditorium war während der keynotes gut besucht.

25 Jahre OOP geben Anlass zu einem Rückblick, zu einem Vergleich und zu einer Beurteilung der Leistung über den Zeitraum. Vorab kann sicher der Veranstalter, die Sigs Datacom, für die Kontinuität und den Durchhaltewillen gelobt werden. Wie sich die diesjährige OOP in diesen Reigen einfügt, stelle ich im Folgenden aus meiner Sicht als Teilnehmer dar.

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1. Was und für wen ist die OOP?

Ist man in der Software-Entwicklung auf welche Weise auch immer engagiert, ist man in Entscheidungsprozesse, klein oder groß, involviert und trägt Verantwortung, und das tut mittlerweile jeder Entwickler, dann findet man auf der OOP viele Antworten, Lösungsansätze und jede Menge neue Ideen.

Die fünftägige Veranstaltung besteht aus einem Vortragsteil, der auch den ein oder anderen Workshop beinhaltet, und einer Fachmesse, deren Teilnehmer auch den ein oder anderen Vortragenden stellen. Das Alleinstellungsmerkmal der OOP ist aber die überdurchschnittlich hohe Qualität der Veranstaltungen. Elf Boardmitglieder, unterstützt von 64 Spezialisten, bewerten mit 1200 Wertungen 450 mögliche Vorträge und Veranstaltungen. Auf dieser Grundlage werden 130 ausgewählt, um die bis zu acht zeitgleichen Slots zu füllen. Davon profitieren 1900 Konferenz-Teilnehmer, welche sich ihrerseits wieder mit den Referenten als auch untereinander austauschen. Das Ergebnis ist ein Wissenstransfer, der in dieser Form sicher einzigartig ist.

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2. Viele kleine Geschichten

Neben diesem großen Ganzen gibt es aber auch die vielen kleinen Geschichten, die den Reiz der OOP ausmachen.

Mary Lynn Manns und Linda Rising halten eine keynote mit dem Thema "Fearless Leading Change". Der Inhalt des Vortrags basiert auf dem Buch "More Fearless Change - Strategies for making your ideas happen". Die beiden bezaubernden Ladies reichern ihren Vortrag mit Anekdoten, aber vor allem so viel Herz an, so dass es zu folgender Szene kommt: Der OOP Mitarbeiter, der die Fragen aus dem Publikum (übermittelt mit sli.do) vorliest, sagt, bevor er die nächste Frage vorlesen kann, dass er das eben Gehörte erst einmal emotional verdauen muss.

In einer anderen keynote appelliert Sasha Lobo (@saschalobo) an die Entwickler-Gemeinde, eine Ethik der Vernetzung zu entwickeln. "VW ist ein Beispiel dafür, was Entwickler mit sich haben machen lassen." Er verändert den diesjährigen Slogan der OOP "your source of trust" zu "you're source of trust" und spricht stets in seinem ganz typischen, überzeichnenden, appellierenden und wortgewandten Stil - eben Sasha Lobo wie man ihn kennt.

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3. Viele große Vorträge

Es gibt eine Menge an brillanten fachlichen Vorträgen. Zum Beispiel schildert Gernot Starke (@gernotstarke) in seinem Vortrag "Wider die Mikroskopfalle" Wege, wie man die wahren Probleme der eigenen Software finden kann. Albrecht Günther (@albrechtg) beschreibt in "Fettnäpfchen, bitte nicht nachmachen", was man als Software-Entwickler oder deren Manager besser vermeiden sollte. Frank Buschmann und Gregor Hohpe (@ghohpe) veranschaulichen  äußerst kompetent "Architekturen im Zeitalter der Dinge" (Internet of Things, IoT). In einem anderen Vortrag "Objects in the mirror" geht Frank Buschmann zusammen mit Kevlin Henney (@kevlinhenney) auf eine Zeitreise durch die Geschichte der objektorientierten Programmiersprachen. Sie kommen zum Ergebnis, dass es wichtiger ist, die "rules of object oriented design" zu lernen, als die Anwendung der jeweiligen Sprachen.

Es gibt aber auch jede Menge ganz praktischer Vorträge, wie zum Beispiel "Docker at my daily work" von Peter Rossbach. Ein großes Architekturthema sind "Microservices" wie in dem Vortrag von Adrian Cockroft (@adriano). Stefan Toth (@st_toth) stellt die klassische Architekturarbeit in Frage und zeigt moderne Ansätze, wie sie bereits bei großen bekannten Unternehmen erfolgreich gelebt werden.

Dann gibt es aber wieder so herausragende Vorträge wie den von Rolf Dräther (@rdraether), der in "Team Extreme" von seiner Reise mit dem motorlosen Transatlantikfrachtsegler von Amsterdam nach Barbados aus seinem Tagebuch vorliest und mit diesen Metaphern und seinen Viking Laws ganz andere Blickwinkel auf die tägliche Arbeit der Software-Entwicklung zeigt.

Urgesteine der IT sind ein fester Bestandteil der OOP. So zeigte Ward Cunningham (@wardcunningham), Begründer des Wiki, Pionier bei Entwurfsmustern und extreme Programming, Autor und Erstunterzeichner des Manifests für agile Software-Entwicklung in einer keynote auf der diesjährigen OOP sein fedwiki.

Fast schon zu einem festen Bestandteil der OOP ist Gunter Dueck (@wilddueck) geworden. Mit seinem Vortrag zu dem Thema "Integration of Everything" unterhält er auf seine leicht überzeichnende, ironische Weise die Zuhörer und liefert unausweichliche Ausblicke auf die Zukunft der IT und damit des gesamten sozialen und ökonomischen Zusammenlebens. Trotz der teilweise fatalen Auswirkungen auf so manchen Industriezweig in der Zukunft gehört sein Vortrag sicher zu den unterhaltsamsten der ganzen OOP.

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4. organisatorisches

Die Teilnehmer der OOP können eine eigens zur Verfügung gestellte App (iOS und Android) nutzen, und mittels eines Codes auf Informationen zugreifen und Feedback geben. Das gesamte Programm bis hinunter zur detaillierten Information über jeden Vortrag mit Details über die Referenten und den Ort kann abgerufen werden. Früher (und die Möglichkeit besteht heute auch noch) konnten die Teilnehmer die Redner über Feedbackbögen bewerten. Nun ist das auch bequem über die App möglich. Ein Wermutstropfen besteht leider darin, dass die App unter iOS nur  für das iPhone, aber nicht für das iPad zur Verfügung steht. Das ist um so mehr schade, als dass die Teilnehmer in der Mehrzahl nicht mehr mit dem Laptop, sondern sich auf dem Tablet Notizen zu den Vorträgen machen (in den wenigsten Fällen mit dem iPhone).

Wie bereits erwähnt ist ein Schwerpunkt der OOP der Austausch der Teilnehmer untereinander. Leider gab es auf der diesjährigen OOP sehr wenig Stehtische, viel weniger als bei früheren OOPs, und nur eine sehr kleine Lounge für Teilnehmer (ca. 20 Sitzplätze für 1900 Teilnehmer!). Trotz der steigenden Laufzeit der mobilen Devices benötigt der ein oder andere eine Möglichkeit sein Gerät aufzuladen. Hierfür gab es meiner Meinung nach auch zu wenig Gelegenheiten. 

Das WLAN ist gegenüber der früheren OOPs viel besser geworden. Nun kann es bis in den äußersten Vortragssaal sicher und zuverlässig genutzt werden, auch ohne dass man sich jeden Tag neu anmelden muss. Auch hier eine Anregung: Ist eine Anmeldung (rein rechtlich und organisatorisch) überhaupt noch erforderlich?

Schließlich noch ein kleiner Apell an den ein oder anderen Sponsor. Vorträge mit einem zu großen Werbeanteil für das eigene Unternehmen werden von den Teilnehmern nicht sehr geschätzt und die erhoffte Wirkung verkehrt sich dann eindeutig in das Gegenteil. Diese Werbung gehört in das Forum auf der Fachmesse. Das Forum ist leider rein räumlich sehr an den Rand gedrängt worden, so dass man schon nicht mehr von einem Forum sprechen kann. Schließlich befindet sich der Marktplatz meist in der Mitte der Gemeinde.

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5. Fazit

Die #OOP2016 kann auch in diesem Jahr als voller Erfolg gewertet werden und die Teilnehmer werden sich noch lange mit den gewonnen Erkenntnissen auseinandersetzen. Den Organisatoren gebührt der Dank dafür und die Ermutigung, sich weiter so stark zu engagieren. Für alle anderen gilt es, sich einen Kalendereintrag zu machen: OOP2017 30.01. bis 03.02.2017

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